Update: Mit der aktuellen Firmware 4.2.0 Build 1118 ist die Falschinterprätation der SMART Werte für Retired Sector Count bei QNAP behoben.
Seit den letzten Firmwareversionen können Seagate Festplatten in der QNAP Übersichtskonsole mit einer Warnmeldung gekennzeichnet sein, siehe Beispiel im Bild. Diese Warnmeldung ist jedoch falsch und rührt von einer fehlerhaften Interpretation der SMART Paramter seitens QNAP her.
Festplatten verfügen über ausgesprochen leistungsfähige Korrekturmechanismen. Wird festgestellt, daß einzelne Sektoren beim Lesen oder Schreiben Probleme bereiten und evtl. erst durch mehrmaliges Lesen die Daten liefern, werden diese gesperrt und der Inhalt auf Ersatzsektoren umgeschrieben. Dies ist ein normaler Vorgang aller Festplatten, auch im Rahmen ihrer eigenen Überprüfungsfunktionen. Das Laufwerk macht nichts anderes als seine Hausaufgaben.
Zudem muss man sich bewusst machen, dass dies ein Sektor von Milliarden ist. Eine 2TB Platte hat ca 4,3 Milliarden Sektoren (2*1024*1024*1024*1024/512). Wenn hierbei einer oder auch mehrere ausgelagert wurden, sind das immer noch 0,00000232%.
Deshalb gibt es auch mehrere Tausend Sektoren, die als Ersatz zur Verfügung stehen, bevor eine Festplatte als defekt markiert wird. Das gilt für alle Festplattenhersteller gleichermaßen!
Über die SMART Werte kann man den aktuellen Wert für den Retired Sector Count auslesen, der in diesem Beispiel bei 100 liegt. Der Grenzwert, ab dem zu viele Sektoren ausgelagert werden liegt hier bei 36.
Der nominale Wert wird bei Seagate nach der Formel Normalised Retired Sector Count = 100 – (100 * Number of retired Sectors / Minimum Number of Spares Available) berechnet. Gehen wir davon aus, dass sich 10.000 Reserve Sektoren auf der Platte befinden, dann nimmt der Wert um einen Zähler ab, wenn 100 Sektoren ausgeklammert wurden 100-(100*100/10000) = 99.
Wie bereits erwähnt, liegt der Schwellwert bei 36, sprich es dürften noch viel mehr Sektoren ausgelagert werden, bevor es zu einer Fehlermeldung seitens Software- oder Firmewaretools kommen sollte.
Die Problematik ist, dass die Berechnung der Nominal Werte und auch die Ausgabe der Rohwerte herstellerspezifisch sind bzw. von einigen Laufweksherstellern erst gar nicht ausgegeben werden. Daher dürfen und können diese Informationen von den Tools nicht einheitlich interpretiert werden.
Aus Herstellersicht liegt ein SMART Fehler vor, wenn der SMART Wert den angegeben Schwellwert (Threshold) erreicht bzw. unterschreitet. Doch statt bei der Beurteilung nur die SMART-Werte und Schwellwerte zu verwenden und die herstellerspezifischen Werte auszuklammern, verwenden einige Tools auch die hexadezimalen Rohwerte (Raw value). Im hier gezeigten Beispiel wird der hexdezimale Rohwert (0x1) betrachtet und sobald dieser ungleich 0 ist, also bereits beim ersten ausgelagerten Sektor, wird eine Warnung über einen möglichen Festplatteausfall ausgegben. Diese Interpretation ist falsch und verunsichert den Anwender.
Diese Fehlinterpretation ist uns momantan bei QNAP Systemen als auch beim Festplatten Diagnose Programm CrystalDiskInfo bekannt. Seagate arbeitet mit EXTRA intensiv an einer Lösung um dies bei den Herstellern zu ändern.
